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„...in die weite Welt hinein“

André Klaus erhält sein VWA-Diplom vom Studienleiter der VWA Koblenz, Univ.-Prof. Dr. Heinz Kußmaul. Foto: privat

André Klaus. Jahrgang 1988. Lernte nach dem Abi Industriekaufmann bei einem Westerwälder Mittelständler mit weltweitem Kundenstamm. Machte anschließend den Betriebswirt (VWA). Sattelt darauf just den Bachelor. Und ist er nicht dienstlich oder privat in fernen Landen, ist er nun „Botschafter“ für die Koblenzer VWA und deren Mittelrhein-Modell. André Klaus. Ein junger Mann. Wie andere auch und doch ein Unikat.

Ein gewöhnlicher Lebenslauf: Geboren in Limburg, drückte André Klaus in seiner Heimatstadt Diez die Schulbank. Fürs Abitur auf der NAOS – der Nicolaus-August-Otto-Schule – entschied er sich bewusst: weil zusätzlich Wissen zur Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie der Informatik vermittelt, verstärkt Englisch unterrichtet wurde. Aus seiner Sicht beste Grundlage für eine Karriere in der Wirtschaft.

Ebenso folgerichtig packte er nach dem Abi die Koffer und ging für ein Jahr nach Australien, ergänzt um einen Abstecher nach Indonesien. Die Lust auf die weite Welt, auf fremde Kulturen, seien ihm stets Antrieb, bekennt er. Nicht schuldlos daran – das Elternhaus: Der Vater Schulungsleiter einer international agierenden Firma, die Familie oft auf Reisen. „Das prägte.“

Doch sich ständig in der Weltgeschichte herumtreiben; das wollte er wegen der Familie, den Freunden dennoch nicht. Fernweh und Heimatverbundenheit unter einen Hut zu bekommen, war daher das Ziel. Die DoKaSch GmbH bot ihm beides. Die Firma mit Hauptsitz „im Herzen Europas“, in Staudt (Westerwaldkreis), hat sich auf Equipment, Services und Dienstleistungen für die Luftfracht spezialisiert.

Dort bewarb er sich. Punktete beim Vorstellungsgespräch mit seiner Weltoffenheit und den Auslandserfahrungen. Wurde Industriekaufmann, ein spezieller: Der Westerwaldkreis ist mittelständisch geprägt, viele Unternehmen international engagiert. Dem trug die Berufsschule in Montabaur Rechnung – u. a. mit Extralektionen Wirtschaftsenglisch.

Für André ebenso „eine glückliche Fügung“ wie sein Arbeitgeber: Er musste nie Kaffee kochen noch Laufbursche sein. Im Gegenteil. „Schon bei der ersten Station in der Praxis, im Einkauf der Materialwirtschaft, waren wir Azubis ins Tagesgeschäft eingebunden. Bekamen kleine Aufgaben – auch, damit sich schnell erwies, wer was taugt.“

Auf den Einkauf folgten die Auftragsabwicklung, dann der Verkauf und der Vertrieb. Dort wirkte André an einem größeren Projekt mit: Die Homepage der Firma war zu überarbeiten, dazu das Corporate Design samt Firmenlogo. „Ich war stolz und dachte damals: ,Cool, hier kann man sich einbringen...’“

2012 startete er als Assistent des Vertriebsleiters. Der war bis dahin meist Einzelkämpfer, sehr oft unterwegs. André ist seither dessen feste Innendienst-Bastion als "Customer Relationship Manager".

Im Kundenservice folgte bald die Feuertaufe bei der Betreuung namhafter Airlines. „Man ließ mich machen. Das war schließlich der Plan der Geschäftsleitung, uns ins kalte Wasser zu werfen, um eigenständig lernen und dann auch so arbeiten zu können.“

Unbesehen davon ging er seit Ausbildungsende dem Wunsch nach akademischen Weihen nach. „Ich wollte keinen Stillstand, mir beweisen, dass mehr drin ist.“

Ein Vollzeitstudium kam nicht infrage – auch wegen den mittlerweile erlangten finanziellen Freiheiten. Zudem hatte André eben in Koblenz erste eigene vier Wände bezogen. Den gordischen Knoten zu lösen, kam ihm die VWA in den Sinn. Von der hörte er während eines Praktikums. Dr. Google präsentierte per Mausklick erfreuliche wie praktische Auskunft: „Berufsbegleitend am Wochenende zu erschwinglichen Konditionen einen Abschluss zu erlangen, der Grundlage für mehr ist – das gefiel mir.“

Das fand auch den Beifall des Arbeitgebers. Dem liege an langfristiger Bindung, was die Geschäftsleitung in einem Laufbahngespräch kurz nach der Lehre deutlich machte und daher solche Initiativen fördere, erinnerte sich André.

Die Herausforderung des dualen Studiums war dann doch größer als zunächst angenommen. Schließlich bedeutete seine One-Man-Show im Job, dass selten um 16.30 Uhr der Stift fiel. Nicht zuletzt lehrte ihn dies noch mehr Selbstdisziplin. „Sogar meine Freizeit plane ich seither.“ Schließlich wollte und will er nicht auf Auszeiten beim Sport oder mit den Freunden verzichten.

Und trotz nicht gerade seltener Dienstreisen ins Ausland hat ihn das Fernweh auch noch im Griff. Gut gerüstet ist er. André besitzt mehr als ein halbes Hundert Reiseführer. Auf einer großen Weltkarte zeugen zahllose Pins von seinen Reisen. Die nächste geht nach Vietnam. Zuvor war er in Taiwan.

Und ganz und gar nicht nebenbei macht André nach dem VWA-Abschluss 2016 nun noch den Bachelor.

Parallel dazu begeisterte er die DoKaSch GmbH fürs Mittelrhein-Modell, für das es nun erste Bewerber gibt. Seit Mitte der 1970er-Jahre erprobt, ermöglicht es u. a. ausbildungsintegriert ein VWA-Studium zu absolvieren.

Als Botschafter dafür gewann ihn Sabine Müller, die Koblenzer VWA-Geschäftsführerin. Eine logische Sache eigentlich. Beweist doch André Klaus, dass man sich – auch dank eines VWA-Abschlusses – aus dem Westerwald in die weite Welt hinaus aufmachen kann.

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 15. Januar 2017