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Die Zukunft – das unentdeckte Land

Jörn Willjes. Foto: privat

Nordlichter. Die machen nicht viel Worte, sind bodenständig, treu. Nicht nur der Heimat – so das Klischee. Jörn Willjes ist so ein Nordlicht. Ihn trieb es auf seinen beruflichen und privaten Reisen durch die Gegend – aber jener zwischen Oldenburg und Leer hielt er stets die Treue. So auch der VWA in Leer. Schloss deshalb jetzt den Dualen Studiengang „Betriebswirtschaft“ (Bachelor of Arts) ab, den die VWA in Kooperation mit der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn (Standort Meschede) anbietet.

Niedersachsen. Nicht der wilde, dafür der nördlichste Westen. Das Ammerland. Westerstede. Eine Kleinstadt, knapp über 21.000 Einwohner. Hier ist Jörn Willjes 1981 geboren. Hier macht er sein Abitur, den Zivildienst. Und grübelt dann: „Was tun – Hochschule oder duale Ausbildung?“ Der Praktiker obsiegt: „Ich will Gelerntes immer gleich umsetzen.“

So wird er Informatikkaufmann in der Bankenbranche. Der Beste Niedersachsens in seinem Jahrgang. Erste Berufserfahrungen würzt er mit einer parallelen Spezialausbildung bei Siemens zur Software-Architektur und Entwicklung. Nach der Ausbildung übernimmt er als Programmierer eigenständig die Pflege, Wartung und Weiterentwicklung von bankbetriebswirtschaftlicher Software.

Kein Jahr später übermannt ihn neuerlich die Neugier aufs Unbekannte und der Wille nach einem akademischen Abschluss. Wieder steht die Gretchenfrage: Bewähren in der Hochschul- oder der dualen Disziplin? Jörn informiert sich im Kollegenkreis und entscheidet sich schließlich für ein nebenberufliches Studium an der VWA Oldenburg.

„Man fängt im Gegensatz zum üblichen Studium hier nicht bei Null an, trifft auf Leute, die ebenfalls Berufserfahrungen haben.“ Den Entschluss, sich daher bei der VWA einzuschreiben, unterstützt sein Arbeitgeber.

So scheint seine Berufsperspektive eigentlich klar. Aber sein neues Wissen weckt neue Interessen. Nicht nach dem Programmieren, sondern nach einer Karriere in der IT-Beratung steht ihm zunehmend der Sinn. Es fügt sich, dass die Oldenburger Firma BTC expandiert, ein „Young Professionals“-Talentprogramm auflegt.

Seine Berufserfahrung und sein Ehrgeiz, sein Wissen zu mehren, überzeugen den BTC-Vorstand im Assesment Center. So übernimmt ihn die Firma noch während des Studiums, assistiert bei der Diplomarbeit.

2007 beginnt eine steile Karriere: Er betreut bald Großkunden; u. a. DAX-Unternehmen wie die Bayer AG oder Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Er berät und konzeptioniert nicht nur in Sachen komplexer IT-Software-Systeme. Er konfiguriert sie auch für Kunden und passt sie deren Wünschen an.

Vier Jahre reist er kreuz und quer durch deutsche Lande. Dann schreibt der Vorstand eine Assistenz aus. Für die bewirbt er sich. Seine VWA-Kompetenz kommt ihm dabei zupass. „In den zweieinhalb Jahren lernte ich enorm viel über die Kultur, das Management und die Führung in einem Unternehmen.“

So gerüstet, bekommt Jörn wieder neue Verantwortung und Kunden in der Gaswirtschaft zugeordnet. Übernimmt ein Team und schließlich einen Bereich, den er führt und ausbaut. „Am Schluss waren es 30 Leute.“ Seit Mitte 2014 ist er verantwortlich für IT-Lösungen und -Services im gaswirtschaftlichen Markt, für die Kundenbetreuung, für Umsatz und Erlöse.

Dann flattert ein Brief der VWA Leer ins Haus. Informiert zum Bachelor-Aufbaustudiengang. „Das Angebot fand ich hoch interessant, ich bin schließlich ein Fan des lebenslangen Lernens.“ Für ihn selbstverständlich, „wenn man in einer der schnelllebigsten Branchen aktiv ist“.

Er denkt: „Klasse, da will ich gerne einsteigen – und damit auch meinen akademischen Abschluss weiter ausbauen.“ Im Dezember 2014 geht’s los. Nach zwei zusätzlichen Semestern ist’s vollbracht. Im Januar 2016 gibt es die Bachelor-Urkunden.

„Eine tolle Erfahrung; welch Maß an Praxiserfahrungen! Man sitzt mit VWA-Alumni noch einmal im Studium, die mittlerweile als Fach- und Führungskräfte sehr viel aus dem Berufsleben mitbringen. So diskutierten wir zum Beispiel in den Rechtsvorlesungen konkrete Fälle aus Unternehmen.“

Trotzdem sei es ein hartes Jahr gewesen, gesteht Jörn. „Nicht nur, weil ich eine Position innehatte, die deutlich mehr Verantwortung bedeutete.“ Derweil war eine Familie gegründet und auch deren einfache Reproduktion gelungen: zwei und vier Jahre sind die kleinen Willjes’.

„Der Aufbaustudiengang war sehr gut organisiert. Es gab weniger Präsenztermine und man konnte so viel daheim machen.“ Zudem zehrte Jörn von seinen Erfahrungen aus dem ersten VWA-Abenteuer. „Mit wachsendem Alter hat man ein anderes Selbstverständnis, schiebt nichts mehr auf die lange Bank, sondern weiß Prioritäten zu setzen.“

Jörn meint selbst, eher eine „relativ raketenartige Karriere“ gemacht zu haben. Nicht zuletzt, weil er sich eben jene „Neugier aufs Unbekannte“ bewahrt habe, die ihn lebenslang begleiten werde. „Ich habe deshalb der VWA viel zu verdanken. Ich finde nach wie vor das Konzept sehr gut.“ In Bewerbungsgesprächen, die er nun führt, findet er Kandidaten, die ein nebenberufliches Studium absolvierten, daher auch stets sehr interessant.

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 1. November 2016