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Ein „dufter“ Job für einen Weltenbummler

Jan Bechtel. Foto: privat

Er ist „Global Business Development Director“ und arbeitet für die englische Tochtergesellschaft der Symrise AG. Jan Bechtel, Jahrgang 1984. Düfte und Aromen sind sein Metier. Gefragt sei eher sein Geschmackssinn. Doch eine gute Nase ist auch nicht von Nachteil.

Den „richtigen Riecher“ hatte er schon beizeiten. So, als er nach dem Abi unbedingt ein duales Studium anstrebte. Offerten von Banken, Versicherungen und aus dem Automotive-Bereich gab es. Erste Wahl für ihn war aber die Symrise AG. „Die Firma kennt, wer wie ich aus Holzminden ist.“

Zum einen sagte ihm deren Präsentation zu. Zum anderen war Jan von der Krisenfestigkeit dieses Unternehmens überzeugt: „Gegessen und getrunken wird immer. Und Parfüm und Duschgel sind ebenso unverzichtbar.“ Der Reiz an seiner Arbeit sei auch, dass man wenig später schon neue Produkte in der Fernsehwerbung oder im Supermarkt sehen kann und voller Stolz weiß: „Da habe ich auch eine Aktie dran.“

2005 startete er sein duales Studium. Das hatte es in sich: Zur Ausbildung als Industriekaufmann machte er parallel den Betriebswirt an der VWA/BA Göttingen, um alles mit einem Bachelor of Arts zu toppen.

In den ersten eineinhalb Jahren durchlief er bei Symrise nahezu alle Abteilungen. An Montag- und Donnerstagabenden gab es dazu Vorlesungen. Freitage gehörten auch dem Hörsaal, zuweilen auch Samstage. „Die Strecke von Holzminden nach Göttingen könnte ich mit verbundenen Augen fahren.“ Fröhliches Studentenleben war das ganz sicher nicht, aber wenigstens der Donnerstagabend gehörte dem Müßiggang – in Maßen.

2008 – gerade den Abschluss in der Tasche –, schickte ihn Symrise das erste Mal ins Ausland. Bis Ende 2012 war er in Paris. Es folgte ein Intermezzo von 18 Monaten in Holzminden. Dann wurde ihm ein Job bei Symrise UK angeboten; einer mit globalem Aktionsradius. Dass er da sofort zugriff – wer könnte ihm das verdenken?

Seit 2014 ist die britische Hauptstadt sein Lebensmittelpunkt; auch privat. Er lebt mit seiner Frau und der eineinhalb Jahre alten Tochter gut 50 km vor den Toren Londons, unweit von Heathrow, „aber nicht in der Einflugschneise...“ Die Bechtels sind dabei eine echte europäische Familie: Seine Frau ist Französin, die er während seiner Pariser Zeit kennenlernte. Die Tochter wurde in England geboren, geht hier in den Kindergarten „und wächst deshalb dreisprachig auf“. Beste Voraussetzung dafür, dass auch die Kleine später mal eine Weltbürgerin wird.

Auch wenn Jan nach dem Abi gern einmal seinen Blick über die Holzmindener Idylle hinaus werfen wollte, hätte er sich nicht zu träumen gewagt, wie sehr es ihn „in die weite Welt hinaus“ treiben würde. Und weil er sich so ans Globetrotten gewöhnt habe, ändere sich daran auch so bald nichts. Zumindest, gehe es nach ihm. Er betont aber sofort: „Die Beständigkeit in der Beziehung ist ein guter Ausgleich für den Job.“

In dem profitiert er immer noch vom VWA-/BA-Studium: „Ich muss mich ständig auf neue Situationen, auf verschiedene Leute einstellen. Probleme analysieren, in praxistaugliche Lösungen übersetzen. Immer wieder mit Unerwartetem klar kommen. Genau diese Fähigkeiten haben sich beim Studium ausgebildet.“

Zum ganzen Bild gehört, dass Jan sein Faible für Fußball („Ich bin Fan von Hannover 96.“) nicht nur in Holzminden und später in Paris auslebte. Auch auf der Insel kickt er – in einer Elf, deren Niveau vergleichbar der Kreisliga in Deutschland ist. „Es gibt nix Besseres, um eine Sprache zu lernen, sich zu integrieren“, schwört er auf den ganz gewiss intensiven Geistes- wie Körperkontakt, den die Balltreiberei über den Rasen mit sich bringt. „Das ist eine Sache, die man für sein Leben mitnimmt.“

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 15. Februar 2017