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„Ich mach das für mich, für meine Zukunft“

Saskia Binz. Foto: privat

Ein Arbeitskollege überredete sie zum Studium an der VWA Trier. Sie bewies Ausdauer und Ehrgeiz. Im Februar 2017 wird deshalb Saskia Binz, Jahrgang 1991, ihren Abschluss als Betriebswirtin (VWA) machen. „Es war eine anstrengende Zeit, aber sie hat mir viel gebracht“, lautet schon jetzt ihr positives Fazit.

Eine Karriere wie so viele: Saskia Binz machte ihren Realschulabschluss. Danach stand ihr der Sinn nach einem kaufmännischen Job. Sie begann eine Lehre als Immobilienkauffrau in Trier. 

Ihr Übergang ins Berufsleben war dann etwas holperig: Die kleine Unternehmensberatung meldete Insolvenz an. Saskia kam zunächst bei einer Zeitarbeitsfirma unter. Für die trat sie eine Stelle bei der BImA an – der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Das ist  eine der größten Immobilienfirmen Deutschlands.

Nach zwei Jahren wechselte sie aus ihrem Arbeitsverhältnis mit der Zeitarbeitsagentur in eine befristete Anstellung bei der BImA. Saskias Arbeitsalltag dreht sich seither um die Rechteverwaltung von Leitungen in Grundstücken im Eigentum Dritter. „Ein Schreibtischjob mit viel Schriftverkehr.“

Nun ergab es sich, dass einige Kollegen in der BImA viel Positives über die Erfahrung bei der VWA und den beruflichen Möglichkeiten, die sich danach eröffnet hatten, berichteten. Das reizte auch Saskia: „Ich wollte ja schließlich auch weiterkommen.“ Deshalb musste ihr Arbeitskollege nicht viel Überredungskünste aufbringen, als er sie bat, mit ihm zusammen das Abenteuer VWA anzugehen.

Solch Engagement in Weiterbildung weiß auch Lutz Leide zu schätzen. Er ist der Leiter der Sparte Facility Management (Geschäftsbereiche Bauen und FM) bei der BImA: „Das Engagement von Frau Binz und anderen, die nahezu ausschließlich in ihrer Freizeit und eigenfinanziert solche Wege beschreiten, kann man nicht genug würdigen.“

Nicht zuletzt auch deshalb, weil solche dualen Qualifizierungen den ganzen Mann resp. die ganze Frau fordern, wie es Saskia bald erkannte: „Das war echt ein großer Schritt, das Studium neben dem Job zu machen.“ Viel Selbstdisziplin gehöre dazu, jeden Freitag und Samstag den Geist anzustrengen, während die Freunde sich amüsieren. 

Die wiederum seien immer voller Respekt gewesen vor dem, was Saskia da stemmte. Eine zusätzliche Motivation für die junge Frau, denn auch sie kam an ihre Grenzen, wollte hinwerfen. „Aber dann denkt man sich: ,Hast es ja bald geschafft...’“ Sie motivierte sich immer damit, mit Mitte 20 diesen Abschluss in der Tasche zu haben: „Ich mach das ja für mich, für meine Zukunft.“ 

Auch deshalb blieb sie sogar ihrem Wochenend-Nebenjob weiter treu. Saskia kellnert in einem Weinrestaurant schon mehr als vier Jahre. „Mir macht das richtig Spaß und es ist eine Abwechslung, weil ich dort mit Leuten, mit den Gästen zu tun habe.“ Zudem sei sie stolz darauf, sich so ihr Studium selbst finanziert zu haben.

Dreifach also ihre Belastung. Dennoch empfindet sie schon jetzt das Studium als großen Gewinn. „Ich habe vor allem eine andere Denkweise gelernt. Gehe deshalb anderes an meine Aufgaben ran. Erkenne und verstehe größere Zusammenhänge.“ Ausgesprochen nützlich sei ihr das auch deshalb gewesen, weil ihr Arbeitgeber gerade neu strukturiert wurde.

Nach den Herbstferien, die sie sehr genossen habe, hat Saskia nun fest das Finale im Blick. Will auch bei der BImA bleiben. „Ich fühle mich dort wohl, warum also sollte ich fortgehen?“

Ohne Weiterbildung sind Karriereschübe häufig begrenzt. BImA-Manager Lutz Leide merkt allerdings an: „Wir stehen mit allen Arbeitgebern im Wettbewerb um gute Fach- und Führungskräfte. Ohne konkrete Unterstützungsmaßnahmen und Perspektiven wird es für den öffentlichen Dienst aber bereits mittelfristig schwer werden, bildungs- und leistungswillige Beschäftigte zu halten.“    

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 17. November 2016