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„Mir ist nie langweilig“

Frank Semmler. Foto: privat


Freizeit-Look statt Tarnanzug. Hörsaal statt Truppenübungsplatz. Rechts- statt Waffenkunde: Frank Semmler lebt den Wandel. Und ist zugleich beständig – bei seinen Leidenschaften. Die für Zahlen begleitet ihn auf all seinen Wegen: Erst beim Robben durch den Matsch, jetzt beim Büffeln für akademische Weihen. Von einem Bundeswehrsoldaten, der die Uniform auszog, jetzt im Öffentlichen Dienst arbeitet und nun sogar seinen Bachelor machen wird.

Mit Frank Semmler zu plaudern, hat durchaus etwas sehr Erheiterndes. Mit Humor blickt er auf aufregende und bewegte 37 Lebensjahre zurück. Obwohl er sich da zunächst nicht sicher war und erst mal nachzählen musste. „Ab 18 hörte ich auf zu zählen“, meint er lachend. Aber eigentlich hat er es mit Zahlen. In seiner Ausbildung, der Bundeswehrzeit und an der VWA, arbeitete er mit ihnen.

Frank Semmler gehörte nach der Mittleren Reife zu den wenigen jungen Männern, die ihre Wehrpflicht bei der Bundeswehr so gut fanden, dass sie verlängerten. „Wo sonst bekommt man als erwachsener Mann Geld fürs Verstecken spielen und Schlammspringen“, fragt er amüsiert und ergänzt mit ernsteren Worten: "Natürlich zählte aber mehr die Kameradschaft. Wir waren füreinander da, hatten die gleiche Kleidung, die gleichen Schuhe an, mussten alle durch den gleichen Dreck springen, so etwas schweißt zusammen.“

Seine erste Dienstzeit endete bereits nach zwei Jahren. Ein Unfall zwang Frank Semmler zunächst ins zivile Leben. Er begann 1999 eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei „Porta Fenster und Türen“ und erstellte unter anderem für Sonderbaukonstruktionen die technischen Zeichnungen und Arbeitsdisketten zum Ansteuern verschiedener Fräsmaschinen. Mit absehbarem Ende der Firma Porta, Fragezeichen für die Zukunft, und guter Erinnerung an die Vergangenheit bei der Bundeswehr, bewarb sich Frank zur Wiedereinstellung in den Dienst.

 „Ich war wieder instandgesetzt und alles Metall war raus aus meinem Körper, alle Knochen waren dort, wo sie hingehörten. Nach Bestehen aller Einstellungstest verpflichtete ich mich für 12 Jahre und machte nebenbei noch meinen Wirtschaftsfachwirt an der IHK. So eine klassische Ausbildung war für mich als Sicherheitsmensch eine gute Basis für später.“

Als diese 12 Jahre fast vorbei waren, zeichnete sich sein Ausstieg aus der Bundeswehr ab. "Es war ein schleichender Prozess, ich veränderte mich, die Bundeswehr veränderte sich. Die Gründe für einen Ausstieg waren einfach gewichtiger als jene für eine Verlängerung der Dienstzeit. Der Gedanke reifte langsam heran und irgendwann wünscht man sich etwas mehr Sicherheit, einen festen Standort zum leben und auch das Robben durch Schlamm und Matsch verliert irgendwann seinen Reiz.“

Nur den Sicherheitsgedanken wollte Semmler nicht aufgeben und so entschied er sich für eine Laufbahn im öffentlichen Dienst. Seine bisherige Ausbildung und Erfahrung reichte jedoch nicht für die gehobene Laufbahn. So blieb ihm nur der Weg über die Schulbank, eigentlich die Schulbänke: In der Erfurter Stadtverwaltung begann er 2013 eine Ausbildung im mittleren Dienst. Diese verkürzte er auf zwei Jahre und nur ein Jahr später kam das parallele Studium an der VWA Erfurt noch dazu. „Das war schon sportlich, wenn ich Freitagnachmittag von der Schule in Weimar zur VWA Erfurt sausen musste, um unter anderem Klausuren schreiben zu müssen. Und weil mir selten langweilig ist, verkürzte ich die VWA-Zeit auch noch von sechs auf vier Semester. Ich bin zeitweise zwischen drei Jahrgängen herumgesprungen“, berichtet Semmler mit überraschend wenig Stress in der Stimme, obwohl er gerade vor seiner Abschlussarbeit zum Betriebswirt (VWA) steht.

Und obwohl er sich fast sicher ist, dass er auch noch den Bachelor anschließen wird. Natürlich verkürzt. „Der Bachelor-Abschluss ist aber dann mehr für mich. Man weiß ja nie, was kommt. Ich bin offen für vieles. Mache da aktuell keinen Plan, sondern gehe Schritt für Schritt.“

Semmler antwortet lachend auf die Frage nach Hobbys und Freizeit: „Was für eine Freizeit? Das Wochenende ist kurz, Samstag Nachmittag falle ich auf die Couch und kümmere mich um die Nahrungsaufnahme. Manchmal ist Platz für ein bisschen Natur und Fotografie in meiner ausgefüllten Woche.“

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 15. Juli 2016