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„Wer stehenbleibt, der läuft rückwärts“

Patrick Bais. Foto: privat

Mit 32 Jahren stellvertretender Filialeiter einer traditionsreichen Privatbank im Allgäu? Alle Achtung! Patrick Bais hat dies ganz gewiss seiner Zielstrebigkeit zu verdanken. Allemal aber auch, dass der Bankkaufmann aus Neu-Ulm mit seinem Abschluss an der VWA Schwaben e. V. in Augsburg und einem Bachelor of Arts auf dem Weg dahin immer seiner Maxime treu blieb: „Sein Leben lang sollte man sich weiterbilden. Wer stehenbleibt, der läuft rückwärts.“

Dabei scheint Patrick Bais ein gewisser Hang zur Grenzgängerei im Blut zu liegen: In der sechsten Generation lebt seine Familie in Neu-Ulm. Das ist eine Stadt in Bayern. Geboren wurde er allerdings in Ulm. Das ist wiederum eine Stadt im Baden-Württembergischen. Nur die Donau trennt beide Orte – oder verbindet sie. Wie man es sieht; wie Patrick es sieht.

Nach der Realschule wollte er, Jahrgang 1985, was mit Zahlen machen, „in die war und bin ich aber nicht vernarrt“. Vielmehr galt sein Interesse dem Finanzwesen generell „und im Speziellen lockte mich der tägliche Umgang mit Menschen“.

Die Eltern waren es, die die Annonce der Ulmer Volksbank entdeckten. Mit schwäbischer Gründlichkeit wurde den Bankkaufleuten in spe im dreitägigen Auswahlverfahren auf den Zahn gefühlt. Dann hatte Patrick Bais seinen Ausbildungsvertrag – und so die erste, wohl absolut prägende Begegnung mit einer dualen Ausbildung.

Er erinnert sich jedenfalls lebhaft und voller Begeisterung daran. Das Schöne wäre, dass man als Azubi viel Zeit im Unternehmen habe. „Da kann man schauen und lernen: Wie funktioniert eigentlich eine Bank? Was machen die Abteilungen?“

Patrick wechselte 2005 kurz nach Ausbildungsende zur Sparkasse. Blieb ihr und der Branche dann aber sechs Jahre treu.

Vorerst hatte man ihm in der Sparkasse zwar nur einen Halbtagsjob geboten. Doch das passte perfekt: „Ich wollte mich an der VWA qualifizieren. Hatte in der Volksbank Kollegen, die das auch getan hatten, wusste daher ungefähr schon, was mich erwartete.“

Aus dem Teilzeit- wurde dann doch ein Vollzeitjob – in einer kleinen Geschäftsstelle auf dem Lande. Dennoch blieb Patrick Bais beim Plan, zur VWA zu gehen, weil „die Wissen schafft“. Davon schwärmte er auch seiner Kollegin vor. So sehr, dass auch sie sich ebenfalls bewarb. Schlussendlich absolvierten beide dann die dreieinhalb Jahre in Günzburg.

Schon während seines Studiums machte er zudem parallel jede Menge im Ehrenamt. Gründete z. B. den Ortsverein der „Jungen Union“ (JU) in seinem Wohnort Pfuhl, arbeitet für die Paneuropa-Union und die CSU.

Weit über seinen Heimatort bekannt wurde Bais mit einer Aktion, die sein Ortsverein der JU initiierte: Er trägt seit dem 3. Lebensjahr Brille. Seine Eltern hatten – wohl auch deshalb – öfter für Brillensammlungen gespendet. Nun zog der Sohn mit seinen Jung-Unionern die Sache höchst professionell auf: Seit sechs Jahren sammeln sie alte Brillen, die dann nach Uganda gehen. Das Projekt wurde und wird mit Plakaten und Zeitungsanzeigen beworben. Viele Ärzte und Optiker der Region beteiligten sich. Er koordiniert bis heute die Aktion, für die u. a. Schuhkartons voller Brillen selbst aus Hamburg ankommen. Sehhilfen im Wert von mehr als 3 Mio. Euro kamen so bisher zusammen. „Ich bin stolz, dass mit unserer Hilfe Menschen wieder sehen können. So steht ihnen der Weg zur Bildung offen und sie haben eine Chance, sich eine eigene Existenz aufzubauen.“

Dieses eher ungewöhnliche, auch politische Engagement des jungen Mannes blieb nicht unbeachtet. Irgendwann kam deshalb der regionale CSU-Bundestagsabgeordnete auf ihn zu und empfahl, sich für die Stelle des Geschäftsführers der Geschäftsstelle des heimatlichen Bundeswahlkreises zu bewerben. Das tat Patrick, wurde genommen und tat das wiederum für fast sechs Jahre.

Dennoch habe für ihn in allen Lebensphasen gegolten: „Schau Dich um, was Du noch machen, lernen kannst.“ So habe er v .a. seine Kenntnisse der Betriebswirtschaft erweitern wollen, „auch, weil ich im Grunde schon noch sehr am Bankwesen interessiert war.“

2014 eröffnete sich eine Möglichkeit: Die Württembergische VWA bot die Qualifikation zum Bachelor of Arts an. Dafür wurde Bais – mal wieder – Grenzgänger und studierte dann in Ulm, Ravensburg und Stuttgart.

Und wurde belohnt. Lernte nicht nur wieder neue Leute kennen, „die auch tolle Jobs machten, oft ehrenamtlich sich engagierten“. Er konnte auch sein VWA-Grundlagenwissen auffrischen und vertiefen.

In dieser Zeit gewährte ihm übrigens die Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen – sein ehemaliger Arbeitgeber – besondere Unterstützung: Bais wurde Kollegiat der Eberle-Butschkau-Stiftung, einer Einrichtung der Sparkassen-Finanzgruppe.

Das Bachelorstudium neben dem Beruf fordere aber immer auch Zugeständnisse und Opfer, räumt Bais ein. Sein wohl größtes dabei – während der Flitterwochen an der Bachelorarbeit zu schreiben. Seine ihm frisch Angetraute habe ihn aber darin bestärkt und stets sehr unterstützt. „Nicht zuletzt dank der heilenden Hände, die sie hat.“ Bais’ Frau Steffi ist selbstständige Physiotherapeutin mit eigener Praxis.

Und wieder spielte ihm kurz darauf Fortuna in die Hände – erneut eine Anzeige. Die verhieß einen Job bei der Gabler-Saliter-Bank, die seit 1828 am Markt ist. Er bewarb sich. Meisterte das Vorstellungsgespräch. Jetzt arbeitet er dort. „Das ist eine kleine Privatbank im Allgäu, zählt 35 Angestellte, hat ihren Stammsitz in einem über 200 Jahre alten, ehemaligen Gasthaus.“

Bais ist stellvertretender Filialleiter in Babenhausen. Sein neuer Arbeitgeber sei eine Universalbank, was bedeute: „Wir machen alles. Das bedeutet, ich sitze auch am Schalter und tippe Überweisungen ein. Kurz darauf berate ich für eine Geldanlage. Man muss flexibel und vielseitig sein, umfassendes Wissen haben. Das ist eben noch echte Bankarbeit.“  Ein hörbar zufriedener 32-Jähriger bekennt: „Ich bin hier sehr froh und glücklich.“

Deshalb würde er sich übrigens auch heute immer wieder für eine duale Ausbildung entscheiden: „Eine Fernuni wäre nix für mich gewesen. Mir war und ist wichtig, dass es bei der VWA Ansprechpartner gab, die Unterweisungen nicht nur akademischen, sondern auch berufspraktischen Bezug hatten.“ Deshalb sei er auch „VWAler durch und durch“ und nun in deren Alumni-Organisation.

Er könne die VWA nur jedem empfehlen – egal, welchen Alters. „Sein Leben lang sollte man sich weiterbilden. Wer stehenbleibt, der läuft rückwärts.“

(c) Rainer Aschenbrenner, Gotha, 15. April 2017